DER OGER SKRIPTORIUM · DIE KOSTEN DES NEINS

Methodik · Beweisordnung

Was geschehen ist, sagt noch nicht, wer dafür verantwortlich ist.

DER OGER trennt drei Fragen, die in Krisen schnell ineinanderfallen: Was ist geschehen? Was hat es verursacht? Wer ist dafür verantwortlich? Jede zusätzliche Aussage braucht eine eigene Grundlage.

Drei Fragen. Drei Beweiswege.

E

Ereignis

Was ist materiell oder durch unabhängige Quellen gesichert? Schaden, Ort, Zeitpunkt, Tote, Verletzte, Wrack, Krankheit, Aufnahme oder andere nachprüfbare Spuren.

U

Ursache

Welcher Vorgang hat das Ereignis ausgelöst? Technischer Defekt, Krankheit, Explosion, Brand, äußere Einwirkung oder eine andere Ursache müssen aus Befunden hergeleitet werden.

T

Täter

Wer handelte, unterstützte, beauftragte oder trug Verantwortung? Diese Frage beginnt erst dort, wo Ereignis und Ursache ausreichend getrennt beschrieben sind.

Leitregel

Je schwerer der Schaden, desto wichtiger ist eine saubere Beweiskette. Das Ausmaß einer Katastrophe ersetzt keinen Beleg für den Täter.

Wie aus einer Behauptung eine prüfbare Aussage wird

  1. Ereigniskern sichern.Nur das festhalten, was durch unmittelbare Spuren oder voneinander unabhängige Quellen getragen wird.
  2. Ursache getrennt prüfen.Zwischen Schaden und Ursache keine Absicht hineinlesen, die noch nicht belegt ist.
  3. Erste Täterbenennung zurückverfolgen.Wer nannte wen zuerst, wann und auf welcher Grundlage?
  4. Quellenwege entflechten.Abschriften und gegenseitige Zitate nicht als unabhängige Bestätigung zählen.
  5. Gegenbelege suchen.Belastende und entlastende Angaben mit demselben Maßstab prüfen.
  6. Status sichtbar machen.Belegt, wahrscheinlich, umstritten, offen, widerlegt oder historische Behauptung dürfen sprachlich nicht ineinanderfallen.
  7. Korrekturen erhalten.Neue Erkenntnisse ergänzen den Stand; frühere Fassungen bleiben als frühere Fassungen nachvollziehbar.

Die Sicherheit der Sprache darf nicht größer sein als die Sicherheit des Befundes.

Diese sechs Kennzeichnungen gelten projektweit. Sie können später an Kernaussagen, Quellenkarten und Beiakten wiederverwendet werden.

BELEGT

Belegt

Die Aussage wird durch überprüfbare Quellen oder Befunde getragen, die für genau diese Aussage ausreichen.

Nur verwenden, wenn die Belegkette den behaupteten Umfang tatsächlich trägt.
WAHRSCHEINLICH

Wahrscheinlich

Mehrere Befunde sprechen für die Aussage, es bleibt aber eine erkennbare Restunsicherheit.

Die offene Unsicherheit muss benannt bleiben; wahrscheinlich ist nicht bewiesen.
UMSTRITTEN

Umstritten

Es bestehen ernsthafte, sachlich begründete und nicht abschließend geklärte Gegenpositionen.

Die maßgeblichen Positionen und ihre jeweiligen Belege müssen erkennbar bleiben.
OFFEN

Offen

Die vorhandenen Quellen reichen nicht aus, um die Frage belastbar zu entscheiden.

Eine offene Frage darf nicht durch Sprachsicherheit geschlossen werden.
WIDERLEGT

Widerlegt

Eine frühere Behauptung ist durch belastbare Gegenbelege oder eine gesicherte spätere Klärung nicht mehr haltbar.

Die frühere Behauptung darf dokumentiert werden, muss aber als widerlegt gekennzeichnet sein.
HISTORISCHE_BEHAUPTUNG

Historische Behauptung

Die Aussage wird als historisch tatsächlich erhobene Anschuldigung oder Deutung dokumentiert; ihre damalige Existenz ist nicht mit ihrer Wahrheit gleichzusetzen.

Immer kenntlich machen, wer die Behauptung wann erhob und welchen Belegstand sie hatte.

Sieben Regeln des Vertrags

  1. Ereignis, Ursache und Täter werden getrennt belegt.
  2. Eine Quelle trägt nur die Aussage, die aus ihrem Inhalt tatsächlich folgt.
  3. Mehrere Abschriften derselben Ausgangsquelle gelten nicht als mehrere unabhängige Belege.
  4. Belastende und entlastende Angaben werden nach demselben Maßstab geprüft.
  5. Eine spätere Quelle ersetzt eine ältere nicht automatisch; sie kann neue Daten, eine neue Deutung oder eine neue institutionelle Position enthalten.
  6. Der Status einer Aussage darf nur geändert werden, wenn die tragende Beleglage benannt werden kann.
  7. Frühere Fassungen und spätere Korrekturen bleiben nachvollziehbar.

Die Methodik verbindet Fälle, Typologien, Fragen und Quellen.