BA 16 · Typologie M01–M15
Fünfzehn Wege, auf denen eine Zuschreibung zu weit gehen kann.
Die Codes ordnen wiederkehrende Prüffragen. Sie ersetzen keine Fallprüfung. Ihr Zweck ist, an der richtigen Stelle langsamer zu werden: bei der Quelle, beim Übergang von Ursache zu Täter, bei der Ausweitung auf Gruppen und bei der späteren Korrektur.
Eigene Verantwortung wird auf andere verschoben
Ein Handelnder beschreibt das eigene Tun als bloße Reaktion auf einen angeblich vorausgehenden Zwang, Angriff oder Zustand.
Öffnen → M02Ein vorhandenes Feindbild lenkt den Verdacht
Eine Person oder Gruppe gilt schon vor dem Ereignis als gefährlich; nach der Katastrophe wird dieses Bild zur ersten Täterannahme.
Öffnen → M03Eine offene Ursache wird als absichtliche Tat gedeutet
Wo die Ursache eines Schadens noch unklar ist, wird eine technische, natürliche oder zufällige Möglichkeit vorschnell durch die Annahme einer absichtlichen Tat ersetzt.
Öffnen → M04Eine reale Tat wird der falschen Person zugeschrieben
Das Ereignis und häufig auch die Straftat sind real, doch die Beweiskette führt nicht tragfähig zu der beschuldigten Person.
Öffnen → M05Die Schuld eines Einzelnen wird auf eine Gruppe ausgedehnt
Aus der Tat einer Person wird ohne eigenen Beleg eine Aussage über Religion, Herkunft, politische Gruppe, Familie oder anderes Kollektiv abgeleitet.
Öffnen → M06Ein wahres Ereignis macht eine zweite Behauptung glaubwürdig
Ein gesichertes erstes Ereignis wird zur Brücke für ein weiteres Ereignis, das nicht in gleicher Weise belegt ist.
Öffnen → M07Aus einem Kontakt wird ohne ausreichenden Beleg eine Tatbeteiligung
Ein nachgewiesener Kontakt, eine Reise, Mitgliedschaft oder politische Nähe wird Schritt für Schritt zur Behauptung gemeinsamer Tatplanung ausgeweitet.
Öffnen → M08Das Umfeld der Opfer gerät selbst unter Verdacht
Ermittlungen suchen den Täter lange im sozialen, familiären oder wirtschaftlichen Umfeld der Opfer und gewichten andere Täterrichtungen zu gering.
Öffnen → M09Wiederholung lässt eine einzige Quelle wie mehrere Belege erscheinen
Viele Meldungen, Akten oder Bücher wiederholen dieselbe ursprüngliche Information; ihre Zahl wird fälschlich als unabhängige Bestätigung gelesen.
Öffnen → M10Druck oder Zwang erzeugen passende Aussagen
Verhördruck, Folter, Belohnung, Drohung oder ein erkennbarer Vorteil können Aussagen hervorbringen, die genau zum erwarteten Täterbild passen.
Öffnen → M11Belastendes wird gesammelt, Entlastendes zu wenig beachtet
Eine Akte oder Berichterstattung bündelt belastende Angaben, während widersprechende Spuren, Alibis oder Unsicherheiten weniger Gewicht erhalten.
Öffnen → M12Eine Einrichtung verteidigt eine frühere Entscheidung
Eine Behörde, Organisation oder Redaktion verzögert die Korrektur, weil ein Eingeständnis das eigene Ansehen, frühere Entscheidungen oder Verantwortliche belasten würde.
Öffnen → M13Häufige Sichtbarkeit wird mit Glaubwürdigkeit verwechselt
Eine Behauptung erscheint glaubwürdiger, weil sie auf vielen Plattformen, in Suchvorschlägen oder immer wieder im Nachrichtenstrom auftaucht.
Öffnen → M14Künstlich erzeugtes Material schließt eine offene Beweislücke
Ein Bild, eine Stimme, ein Film oder ein Dokument wird künstlich erzeugt oder verändert und liefert scheinbar genau den fehlenden Beleg für eine Täterbehauptung.
Öffnen → M15Ein widerlegtes Täterbild bleibt in Erinnerung
Die ursprüngliche Anschuldigung prägt das Gedächtnis stärker als die spätere Berichtigung und wirkt trotz Widerlegung weiter.
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